Eine spannende und nach meinem Dafürhalten durchaus nützliche Neuerung sind die Web Apps in Linux Mint 20.1 "Ulyssa". Diese wurden von den Linux Mint-Entwicklern jetzt bei der Vorstellung der neuen Features für Linux Mint 20.1 ausführlicher beschreiben. Erstmals vorgestellt wurden die Web Apps bereits in den September-News. Wie dort aufgeführt ist, hat man sich beim Minz-Linux die Idee bei Peppermint OS abgeschaut, wo bereits seit 2010 eine vergleichbare Anwendung mit dem Namen "Ice" zur Verfügung steht.

Mit den Web Apps in Linux Mint 20.1 lassen sich einzelne Webseiten als eigenständige Anwendung, also auf Denglisch wie der Name schon sagt als App, handhaben. Da es mittlerweile immer mehr Internetseiten gibt, die insbesondere im Hinblick auf Smartphones darauf ausgerichtet sind, quasi wie eine App zu funktionieren, macht das Konzept durchaus Sinn.

Die Webapps-Anwendung ist unter Linux Mint 20.1 bereits von Haus aus installiert und befindet sich im Startmenü im Bereich Internet.

Web Apps Linux Mint im Startmenü

Wozu Web Apps in Linux Mint?

Grundsätzlich liegt es  bei den Web Apps in Linux Mint 20.1 natürlich nahe, zu fragen: Wozu brauche ich das? Schließlich kann ich die Internetseiten auch problemlos über Firefox, Chromium oder irgendeinen anderen Browser aufrufen und mir für einen schnelleren Zugriff als Lesezeichen speichern. Das stimmt natürlich einerseits - andererseits bringen die Web Apps aber doch ein paar entscheidende Vorteile mit sich wie ich finde, denn:

  • Die Web Apps werden von Linux Mint 20.1 wie eine "gewöhnliche" Anwendung behandelt. Das bedeutet insbesondere, dass ich sie über das Startmenü finden und ausführen kann sowie, dass man einen Starter für die Web App in den Favoriten oder in der Leiste am Bildschirmrand ablegen kann.
  • Immer mehr Internetseiten sind im mobilen Modus darauf ausgerichtet, sich auf dem Smartphone wie eine App anzufühlen. Das gelingt auch auf dem Desktop.
  • Für eine Web App lässt sich festlegen, mit welchem Browser sie aufgerufen wird. Wenn man zum Beispiel seinen Firefox mit vielen Erweiterungen "aufgemotzt" hat, kann man für die Web App einen kleinen und schnellen Browser wählen wie zum Beispiel Epiphany. Das sollte die Nutzung der Webseite natürlich beschleunigen.

Anleitung: Web App für Twitter einrichten

Um mit Web Apps in Linux Mint 20.1 eine neue "Standalone"-Internetseite anzulegen ruft man zunächst die Web App-Anwendung über das Mint-Startmenü auf. Anschließend legt man über das Symbol + (Hinzufügen) eine neue Web App an. Um dies für Twitter zu tun, trägt man als Name "Twitter" und als Adresse https://twitter.com ein. Bei einigen Seiten - so zum Beispiel auch bei Twitter - wählt Web App automatisch das passende Symbol, nämlich dann, wenn das Logo der Webseite auch im gerade gewählten Icon-Theme vorhanden ist.

Möchte man andere Internetseiten als Webapp nutzen kann man aus dem breiten Repertoire an Icons des jeweiligen Icon-Theme auswählen oder sich über das Symbol neben der URL-Eingabe direkt das Favicon der zu speichernden Internetseite laden.

LinuxMint WebApps 2

Da beides bereits passend voreingestellt ist, kann man für Twitter die Kategorie auf "Internet" und den Browser bei "Firefox" belassen, und weil eine Navigationsleiste nicht gewünscht ist - das Ganze soll ja eben wie eine App wirken und nicht wie ein Browser - lässt man den entsprechenden Reiter ebenfalls deaktiviert.

Nun schließt man das Anlegen der neuen Web App mit einem Klick auf Ok ab und kann danach mit einem Klick auf den Mauszeiger im Kreis ("Ausführen") die gerade erstellte Web App starten.

Web Apps Linux Mint für Twitter

Nachdem die Web App läuft, kann man mit einem Rechtsklick auf das Icon der Web App in der (normalerweise unten befindlichen) Leiste die Web App dauerhaft dort anheften. Darüber hinaus findet sich im Startmenü von Linux Mint ebenfalls ein eigener Eintrag für jede Web App.

Wer noch eine ältere Version von Linux Mint im Einsatz hat, kann ebenfalls in den Genuss der Web Apps kommen. Auf der Seite von Linux Mint findet sich eine Debian-Paketdatei der Web Apps, die sich nach dem Download mit GDebi problemlos installieren lässt. Es handelt sich dabei um eine Beta-Version (1.0.3), die nach Aussage der Entwickler voll funktional aber noch nicht in allen Bereichen übersetzt ist.

 

Wir benutzen Cookies
Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.