Debian Linux auf dem Mircosoft Surface Go

Wie gut funktioniert Microsofts Surface Go mit Debian-Linux? In diesem Blog-Beitrag berichte ich von meinen Erfahrungen mit dem Linux-Tablet "Marke Eigenbau".

Vor kurzem habe ich mir über ein großes Kleinanzeigen-Portal ein gebrauchtes Surface Go von Microsoft zugelegt. Allerdings möchte ich dieses nicht mit dem vorinstallierten Windows, sondern mit freier Software betreiben und erprobe derzeit, welche Linux-Distribution für mich am besten auf dem Gerät funktioniert. Nach einem ersten Versuch mit elementary OS 6 habe ich mich nun an die Erprobung von Debian 11 "Bullseye" mit Gnome-Desktop gemacht und bin - soviel schon vorab - sehr zufrieden.

Installation von Debian-Linux auf dem Surface Go

Eine Wissenschaft für sich ist es, bei Debian angesichts von diversen Installationsmedien mit und ohne proprietäre Treiber und für verschiedene Prozessorarchitekturen die passende Image-Datei zu finden. Für die hier beschriebene Installation habe ich die folgende, inoffizielle Version mit Firmware genutzt;
https://cdimage.debian.org/images/unofficial/non-free/images-including-firmware/11.0.0+nonfree/amd64/iso-dvd/

Als mittelgroße Hürde stellte sich der Start der Debian-Installationsumgebung vom USB-Stick heraus, denn das Surface Go scheint die Boot-Reihenfolge im BIOS schlichtweg zu ignorieren. Selbst wenn dort ein USB-Gerät an Platz 1 positioniert ist, bootet beharrlich das Betriebssystem auf der Festplatte. Der Start über die Wiederherstellungs-Einstellungen von Windows 10 schied aus, da ich zuvor elementary OS auf dem Surface Go installiert hatte. Stattdessen blieb der schon in einem anderen Beitrag ausführlicher beschriebene Weg über die Kommandozeile von Grub, um das Surface Go vom USB-Stick zu booten.

Surface Go - Installation von Debian Linux

Der anschließende Debian-Installationsprozess lief weitestgehend problemlos durch. Eine kleine Schwierigkeit waren die Hinweise auf fehlende Netzwerkunterstützung. Für weitere Installationen ist es wohl sinnvoll, wenn ich mir einen Adapter von USB-C auf eine Netzwerkbuchse zulege. Da dieser bislang aber nicht zur Verfügung stand habe ich über einen weiteren USB-Stick die WLAN-Treiberdatei von hier

https://raw.githubusercontent.com/linux-surface/ath10k-firmware-override/main/bus=pci,vendor=168c,device=003e,subsystem-vendor=168c,subsystem-device=3370.bin

heruntergeladen, umbenannt und unter /usr/lib/firmware/ath10k/QCA6174/hw3.0/board.bin platziert. Dieses Vorgehen findet sich etwas ausführlicher auf der linux-surface-GitHub-Seite für das Surface Go beschrieben und hatte ich auch bereits bei der Installation von elementary OS 6 (das ja über Ubuntu auf Debian basiert) genutzt.

Auch wenn das hier im Blog eine Wiederholung ist: Wie schon nach der Installation von elementary OS 6 auf dem Surface Go habe ich zunächst den angepassten Surface-Kernel von der sehr hilfreichen linux-surface-GitHub-Seite heruntergeladen. Das entsprechende Vorgehen findet sich kurz zusammengefasst im zuvor verlinkten eOS6-Artikel oder ausführlicher in Englisch auf eben jener GitHub-Seite beschrieben.

Positive und Negative Aspekte im Alltagseinsatz

Wie schon bei elementary OS hat mir auch bei Debian-Linux auf dem Surface Go gut gefallen, dass viele wesentliche Funktionen "out of the box" beziehungsweise spätestestens nach Installation von WLAN-Treiber und angepasstem Surface-Kernel verfügbar waren. Nachfolgend habe ich einige für mich wesentliche Aspekte bewertet und zusammengestellt. Los geht es mit den positiven Punkten:

  • Besonders gut gefallen hat mir die Bildschirmtastatur. Bei abgenommener Hardwaretastatur war diese bereits im Login-Bildschirm verfügbar. An einigen Stellen wurden Felder zum Tippen erkannt und die Tastatur erschein automatisch. Mit einem Wischen nach oben vom unteren Bildschirmrand konnte man sie jederzeit aufrufen. Die Gnome-Bildschirmtastatur sorgt bei mir für ein echtes Tablet-Gefühl.
  • Dreht man das Tablet, dann wird die Bildschirmausrichtung automatisch entsprechend rotiert.
  • Der Bereitschaftsmodus funktioniert reibungslos. Über den Einschaltknopf des Surface Go lässt sich das System in Bereitschaft versetzen und daraus wieder aufwecken.
  • Auf der Hardwaretastatur vorhandene Funktionstasten erledigen ohne weitere Konfiguration ihren Job und regeln Lautstärke, Bildschirmhelligkeit und Medienwiedergabe.
  • Vom Start weg wurde Debian 11 "Bullseye" auf dem Surface Go in einer passenden Bildschirmauflösung dargestellt.

Debian SufaceGo Bildschirmtastatur

Trotzdem gab es auch ein paar Aspekte, die meiner Meinung nach auf dem Surface Go mit Debian Linux nicht gut gelöst sind:

  • Die zuvor gelobte Bildschirmtastatur erkennt Texteingaben an zentralen Stellen wie der Browser-Suchleiste (sowohl bei Firefox als auch bei Chromium) oder in LibreOffice nicht. Über einen Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand nach oben lässt sie sich zwar aktivieren - eleganter wäre aber natürlich ein automatisches Erkennen jeglicher Möglichkeiten zur Texteingabe.
  • Die eingebauten Kameras funktionieren nicht, über Cheese lassen sich sowohl Front- als auch Rückseitenkamera nicht ansteuern. Dies scheint wohl ein allgemeines Problem der Surface-Geräte zu sein
  • Auch wenn die Bildschirmauflösung grundsätzlich sinnvoll gewählt ist, gibt es in den Systemeinstellungen mitunter Menüs, bei denen Bereiche und insbesondere Auswahlknöpfe aus dem Bildschirm herausragen. Hier muss man gelegentlich das entsprechende Fenster mit der Hardwaretastatur verschieben oder die Skalierung des Bildschirms von 200 % auf "normale" 100 % reduzieren.

Mein Fazit zum Surface Go mit Debian-Linux

Nach den ersten Tagen kann ich sagen: Ich bin begeistert von Debian 11 auf dem Surface Go. Die Kombination kommt meiner Vorstellung von einem Linux-Tablet schon ziemlich nahe.

Als zentrales Manko sind vor allem die beiden nicht funktionierenden Kameras zu nennen, das mag sicherlich für einiger Nutzer*innen ein Ausschlusskriterium sein. Da ich persönlich die Kamera jedoch selten bis nie auf dem Surface benötige, fällt das für mich nicht so ins Gewicht. Der Rest mach bislang große Freude, insbesondere durch die Bildschirmtastatur ist das Gerät tatsächlich als Tablet und nicht nur als Laptop mit Touchscreen verwenden.

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